Projektkursfahrt nach Polen

ein Bericht von Michele Jader (Jg. 12)

Im Rahmen einer viertägigen Studienfahrt mit dem Projektkurs „Auschwitz“ (Jg. 12) wurde es uns ermöglicht, an einer Fahrt nach Polen teilzunehmen, um der deutschen Geschichte näher zu kommen und Sie besser zu verstehen. Auf dem Programm standen das Konzentrationslager Auschwitz und das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sowie weitere geschichtlich interessante Orte.

Der Projektkurs mit polnischer Reiseleiterin Anna (vorne links) und Begleiter Herr Kreitz
Der Projektkurs mit polnischer Reiseleiterin Anna (vorne links) und Begleiter Herr Kreitz

Am Tag der Ankunft wurden wir von unserer polnischen Reiseleiterin durch den Ort Oswiecim geführt. Bevor uns der Weg durch den Ort und zu einem jüdischen Friedhof führte, besichtigten wir ein Museum und eine alte Synagoge. Zudem wurden wir durch eine ehemalige „Judenstraße" geführt, in der sich viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde im Ort schon lange vor der Zeit des Nationalsozialismus angesiedelt hatten. Am jüdischen Friedhof wurden uns die verschiedenen Symbole auf den Grabsteinen erklärt und wir durften uns Alles in Ruhe ansehen.

                      alte Synagoge in Oswiecim
alte Synagoge in Oswiecim

        Tor zum Stammlager Auschwitz
Tor zum Stammlager Auschwitz

Am nächsten Tag besuchten wir das Konzentrationslager Auschwitz. Es war ein neues und ungewöhnliches Erlebnis, an dem Ort zu stehen, den man vorher nur von Bildern kannte. Das große Gelände wirkte dem ersten Eindruck nach wie eine Kleinstadt, wenn man ausblenden konnte, was dort passiert war, und trotzdem fühlte ich mich befangen und eingeengt. Das Erzählte und Gesehene brachte Vieles mit sich: Schmerz, Wut und Angst. All das löste in mir eine Kälte aus, die sich bis in den letzten Winkel meines Körpers ausbreitete. Die Gedanken überhäuften sich und Worte kamen mir nur schwer über die Lippen.

Der Besuch brachte mich den Opfern und deren Situation ein Stück näher und verstärkte mein Unverständnis für die Leute, die dort den Massenmord verübt hatten.      

Meine Lebenseinstellung hat sich seitdem gewandelt. Ich begann, mich mehr auf die schönen Dinge im Leben zu konzentrieren, dankbarer zu sein für alles, was ich wusste, auch dass die Vergangenheit nie in Vergessenheit geraten darf.

Am Mittwoch, dem dritten Tag, wurden der Massenmord und seine Ausmaße noch deutlicher, als wir durch das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau liefen. Ein Schauer läuft mir jedes Mal wieder über den Rücken, wenn ich daran denke, dass dieses riesige Gelände nur dafür erbaut wurde um Menschen systematisch umzubringen. Die Wege nahmen kein Ende und zogen sich in der Zeit und es wirkte, als würde das Areal kein Ende nehmen. Wir besichtigten die ehemalige Laderampe und Baracken der Anlage.

Ein paar persönliche Eindrücke davon, wie es für die dort gefangenen Menschen damals gewesen sein muss, zeigte uns die am Nachmittag vorgestellte Kunstaustellung des ehemaligen Häftlings Marian Kolodziej, der in seinen Bildern die Hölle von Auschwitz darstellte. In seinen Bildern spiegelt sich Angst, Wut und das Leiden, das er gefühlt hat, wieder.

Bild eines ehemaligen Häftlings
Bild eines ehemaligen Häftlings

Quelle: http://bergen-belsen.blogspot.de
Anita Lasker-Walfisch (hier in Bergen-Belsen)

Einen weiteren persönlichen Eindruck, wie das Leben im Lager war, erhielten wir am Abend, als die Zeitzeugin Anita Lasker-Wallfisch zu uns sprach und Fragen beantwortete. Ich war beeindruckt, wie ein Mensch, der so viel Leid und Schmerz gesehen und gefühlt hat, den Mut und die Kraft aufbringt, sein Leben so fortzusetzen und seine Geschichten mit anderen Menschen und Generationen zu teilen.


Der letzte Tag zeigte uns ein Stück polnische Geschichte. Wir fuhren in die Stadt Krakau, wo eine Führung auf uns wartete, die uns die Geschichte der Stadt näher brachte. Am Abend bot sich uns die Möglichkeit, in die jüdisch-polnische Kultur einzutauchen, indem wir ein jüdisch-polnisches Restaurant besuchten und der für die Kultur typischen Musik einer kleinen Band lauschten.

Ich habe in der Zeit in Polen eine Menge Eindrücke und Erfahrungen gesammelt, die mir für immer in Erinnerung bleiben werden und mich teilweise auch prägten. Ich bin unglaublich froh und dankbar, dass ich Teil dieser Reise war.

Michele im Stammlager
Michele im Stammlager